Bericht vom 4. Treffen der regionalen Fachgruppe "IT-Projektmanagement" am 19. September 2003 in Stuttgart

Diesmal war Prof. Hesse aus Marburg bei uns zu Gast, um vor über 30 Zuhörern einen Vortrag zu halten:

RUP versus EOS -
Eine kritische Gegenüberstellung von Rational's Unified Process (RUP) und Evolutionäre Objektorientierte Software-Entwicklung (EOS)

Professor Hesse betonte, dass der heutige Software- Entwicklungsprozess vielschichtig, komplex und von ständig neuen Anforderungen begleitet ist. Dies erfordert Agilität und ein geeignetes Prozess-Modell.
Die Fa. Rational verbreitet seit 1999 als Ergänzung zur Modelliersprache UML den Unified Process (RUP) als Vorgehensmodell für Anwendungsfall-getriebene, iterative und architektur-zentrierte Software-Entwicklung. Im Vortrag wurden diese Schlagworte und die RUP-Kernkonzepte anhand von sieben Thesen diskutiert.
Dabei erklärte Prof. Hesse, dass nach seiner Meinung einige der RUP-Konzepte sehr komplex, nicht klar genug strukturiert und für viele praktische Anwendungen zu überladen seien. Konkrete Defizite und Kritikpunkte sind eine zu starre Phasenstruktur, die Unterbewertung der System- und Komponentenarchitektur, fehlende fraktale Prozessstrukturen sowie die Nichtbeachtung wichtiger Grundprinzipien der Informatik wie Rekursion und Orthogonalität.

Als Alternative zum RUP zeigte der Autor das von ihm entwickelte Prozessmodell EOS (für Evolutionäre, Objekt-orientierte Software-Entwicklung). Aufgrund seiner fraktalen Grundstruktur passe sich dieses Modell den Projektbedürfnissen an und nicht umgekehrt. So sind z.B. bei EOS die Iterationen nicht an Phasen, sondern an Bausteine, Arbeitsergebnisse und zugehörige Entwicklungsprozesse gebunden.
Ein Vorgehen nach dem EOS-Modell fördere die Eigenverantwortlichkeit der Software-Entwickler und unterstütze ein dynamisches Projektmanagement mit verteilten Verantwortlichkeiten.

Im Anschluss an den Vortrag ergab sich eine sehr lebhafte Diskussion. Manche fanden die Darstellung des RUP ein wenig zu übertrieben negativ, fassten sie doch den selbst erlebten Entwicklungsprozess weniger starr auf.
Einige der von Prof. Hesse vorgetragenen Kritikpunkte wurden jedoch einmütig geteilt.
Insgesamt enthält das von Prof. Hesse vorgetragene Konzept zahlreiche Elemente (z.B. die fraktale Betrachtungsweise für einzelne Aufgabenstellungen im Projekt), die den Baukasten agiler Methoden in der SW-Entwicklung bereichern können.

Schließlich dankten wir Prof. Hesse und der Fa. cept-it, die dankenswerterweise nicht nur die Anreise von Prof. Hesse sondern auch Getränke und Knabbereien organisiert hatten.

Beim nächsten Treffen der Fachgruppe IT-Projektmanagement am 31.10.03 werden wir den Workshop vom 11.7.2003 fortsetzen. Damals hatten wir im ersten Teil erarbeitet, woran IT-Projekte scheitern.
Am 31.1003 wollen wir erarbeiten (aufbauend auf dem bisher Erarbeiteten), was getan werden kann und muss, um das Scheitern zu verhindern, was also gute IT-Projekte auszeichnet.

(Autor: Karsten Hoffmann)

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