Bericht vom Treffen der regionalen Fachgruppe "IT-Projektmanagement"
am 15. Juni 2007 in Stuttgart


zum Themenfeld
Verteilte bzw. Offshore Entwicklung und Agiles Vorgehen


An diesem Abend hörten wir zwei Erfahrungsberichte zum Thema "Verteilte bzw. Offshore Entwicklung und Agiles Vorgehen".
Dazu hatte Dr. Frank Gerhardt schon zur Einladung zusammengefasst:
Der Druck auf Projektleiter wächst, Projekte immer schneller und billiger durchzuführen, während munter die Anforderungen geändert werden. Geschwindigkeit und Flexibilität haben sich die Agilen Methoden auf die Fahnen geschrieben. Billiger soll's durch Offshore-Entwicklung werden. Aber passen Agilität und Offshore zusammen?
Agile Methoden wie XP und Scrum fordern, dass die Entwicklung im Team im Idealfall an einem Standort, in einem Raum, und mit ständiger Anwesenheit eines Kunden durchgeführt werden. Einige haben die Erfahrung gemacht, dass ein Projekt in dieser Konstellation wirklich Gas geben kann. Nur leider sind hier fast immer schon die ersten Abstriche zu machen. Kein Kunde vor Ort, kein gemeinsamer Raum. All das macht Kommunikation schwieriger.
Die Idee der Offshore-Entwicklung ist allein aus dem Wunsch nach Kostensenkung geboren. Die Inder sind nicht besser als wir, nicht leidensfähiger, nicht kreativer -- nur billiger. Von der Ausbildung her sind sie zweifellos auf hohem Niveau. Was meist fehlt ist das Fachwissen über die Anwendungsdomäne. Will man zusammen arbeiten, muss man also viel miteinander reden, damit sich das jeweilige Know-How ergänzt.

Zum Thema hörten wir dann zwei ausführlichere Erfahrungsberichte:

  • Möglichkeiten und Grenzen agiler Offshore-Entwicklung (Dr. Frank Gerhardt, Gerhardt Informatics)
    Kommunikation ist schon bei den Agilen Methoden ein kritischer Erfolgsfaktor. Bei Offshore-Entwicklung wird Kommunikation weiter erschwert. Es sind also Kompromisse zu finden und Abhilfen zu schaffen.
    Der Erfahrungsbericht erzählte die Geschichte von gelungenen und misslungenen Versuchen agile Techniken in Offshore-Projekten einzuführen. Mehr noch als bei Onshore-Projekten müssen Organisation und Prozess an die jeweilige Projektsituation angepasst werden. Dann kann vieles erreicht werden. Wie in der Politik ist das die Kunst des Möglichen. Auf der anderen Seite gibt es deutliche Grenzen. Die zu kennen hilft, aussichtslose Anstrengungen zu vermeiden.
    Es muss nach Frank Gerhardts Erfahrungen (die auch Thomas Starz bestätigte) klar sein, wer von beiden Partnern die "Projekt-Führung" inne hat. So kann es erfolgreich sein, die Projektleitung und -steuerung direkt vor Ort (beim Kunden) zu haben und den Offshore-Partner nur als "Verlängerte Werkbank" zu nutzen, also wie ein ständig wieder beauftragter Sub-Auftragnehmer.
    Ein zweites erfolgreiches Modell gibt die Projektsteuerung in die Hände des Offshore-Unternehmens, wobei die Projektteilnehmer vor Ort (beim Kunden) "nur" die Rolle eines "guten Kunden" spielen (ständig erreichbar, bereit zu kurzfristigen Entscheidungen, ständig prüfend, ...).
    Leider gab es keine neuen Folien zum Vortrag


  • Anschließend gab es den zweiten Beitrag
    Erfahrungsbericht aus zwei Offshore-Projekten in Russland (Thomas Starz, IBM)
    Der Vortrag berichtete über Erfahrungen aus zwei Projekten, eines davon wurde vor ca. zwei Jahren initiiert, das andere ist gerade im Aufbau.
    Wesentliche Inhalte sind Erkenntnisse über das Projektmanagement und kulturelle Stolpersteine und wie daraus schrittweise Verbesserungen abgeleitet und eingeführt wurden.
    Eines der Ergebnisse ist, dass für die Zukunft geplant ist, Scrum als Vorgehensmodell einzusetzen.
    Hier die Folien von Thomas Starz

Hinweis: Auf der Eingangsseite der Fachgruppe IT-Projektmanagement finden Sie unsere nächsten Termine und Themen bis November 2007, siehe fg-itpm.html.

(Autor: Karsten Hoffmann)

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